„Find a beautiful place and get lost“
(Das steht auf Rolands Mouse-Pad, das ich ihm vor und für die Reise geschenkt habe)

Nach einem langen aber reibungslosen Flug landen wir auf der indonesischen Insel Bali. Unsere Vermieterin hat einen Fahrer organisiert, der uns am Flughafen abholt und uns herzlich mit den Worten empfängt: „I hope, you will be very happy in Bali.“ Nach einer nicht enden wollenden Fahrt durch das Verkehrschaos von Denpasar kommen wir endlich in unserer Villa in Canggu an. Wir sind hingerissen. Vermieterin Nicole nimmt uns freundlich in Empfang. Sie ist Schweizerin und lebt seit zehn Jahren in Bali. Nachdem sie uns alles erklärt und unsere Fragen beantwortet hat, lassen wir uns fallen, immer abwechselnd in den Pool, auf eine Couch oder ins Bett. Hier sind wir wirklich an einem wunderschönen Ort, an dem man sich verlieren kann. In den nächsten drei Tagen tun wir genau das und verlassen die Villa nur zweimal am Tag, einmal zum Frühstücken und einmal zum Abendessen gehen. Wir sind uns sehr schnell einig, dass sich selbst einkaufen und kochen hier absolut nicht lohnt. Die Auswahl der Restaurants ist reichhaltig, das Essen vorzüglich und preiswert.
Das Einzige, was uns während dieser kurzen Ausflüge aus der friedlichen Stimmung bringt, ist der wirklich katastrophale Verkehr und die Absenz eines Gehweges. So wird der Gang zum Lokal jedes Mal zum Spießrutenlauf und das Überqueren der Straße fast unmöglich, wären da nicht die „Yediritter“, die mit ihren roten Laserschwertern – Eigentlich sind es rote Stabtaschenlampen, aber sie sehen definitiv wie Laserschwerter aus. – den Verkehr kurzzeitig stoppen können und Fußgängern wie uns über die Straße helfen.
Am vierten Tag werden wir wieder etwas aktiver und melden uns in einem Yogastudio an. Mindestens fünf Stunden wollen wir während unseres Aufenthalts absolvieren.
Nach weiteren zwei Tagen dann beschließen wir, uns endgültig aus unserer neu gewonnenen Komfortzone herauszubewegen und mieten einen Roller. Wir machen einen Ausflug nach Ubud, früher mal ein beschaulicher Ort mit vielen Reisfeldern drumherum. Jetzt boomt hier der Tourismus und ein Geschäft reiht sich an das andere. Wir haben uns mit einer Bekannten von Roland und deren Freundin, die auch gerade in Bali Urlaub machen, zum Essen verabredet. Das Verkehrschaos außerhalb Canggus übertrifft bei weitem das, was wir mittlerweile gewohnt sind und wird auf dem Roller zur echten Herausforderung. An einer Kreuzung können wir erst abbiegen, nachdem ich vom Sozius aus mithilfe ausgiebiger Gesten den Verkehr hinter uns gestoppt habe. Leider habe ich kein Laserschwert. Während wir gemütlich im Café Lotus, einem Café mit wunderschönem Lotusgarten beim Essen sitzen, beginnt es in Strömen zu regnen. Wir nutzen eine Regenpause um die Heimfahrt anzutreten, nicht ohne uns vorher Regenponchos zu kaufen, die ganz plötzlich alle zehn Meter von fliegenden Händlern feilgeboten werden. Zum Glück regnet es nicht mehr, aber die Fahrt wird bei nasser und teilweise überfluteter Straße mehr als abenteuerlich. Während Roland es lustig findet, durch 20 Zentimeter tiefe Wasserlachen zu fahren, geht mir die Düse. Wieder in unserer Villa angekommen, sind wir beide froh und legen erst mal wieder zwei entspannte Tage „daheim“ ein.
Bei unserem nächsten Ausflug folgen wir einem Tipp aus dem Internet und besuchen den Tanah Lot Tempel um sieben Uhr morgens, statt, wie alle anderen, zu Sonnenuntergang und siehe da, wir sind tatsächlich allein mit den Tempelpriestern, die uns freundlich einer Reinigungszeremonie unterziehen, nachdem wir bei ansteigender Flut durch das Wasser zum Tempel gewatet sind.  Wir genießen noch etwas die Morgenstimmung, sausen dann auf unserem Roller zurück nach Canggu und sitzen um neun Uhr in unserem Lieblingscafé beim Frühstück.
Und dann ist Nyepi, balinesisches Neujahr oder der „Tag der Stille“ Es ist der höchste hinduistische Feiertag in Bali und wird jedes Jahr am Tag nach Neumond während der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling gefeiert. Schon bei unserer Ankunft hat Nicole uns über diesen Tag informiert: Für 24 Stunden darf niemand das Haus verlassen. Es darf weder Lärm noch Licht gemacht werden, weil nämlich die über die Insel fliegenden Dämonen und bösen Geister dann glauben, es sei niemand daheim und weiterziehen. So kann das neue Jahr dann in vollkommener Reinheit beginnen. Vorsorglich haben wir uns schon zwei Tage vorher mit Lebensmitteln eingedeckt und begehen Nyepi in entspannter Stille.
Da wir bei unserem Ausflug nach Ubud wegen des schlechten Wetters nicht viel vom Ort und noch weniger von den Reisfeldern gesehen haben, fahren wir noch einmal hin, um uns diese anzuschauen. Die Landschaft ist wirklich schön, aber auch hier, mitten in den Reisfeldern, reiht sich eine Touristenunterkunft an die nächste und sogar auf dem schmalen Fußweg muss man ständig den Motorrollerfahrern ausweichen. Trotzdem genießen wir die schönen Ausblicke, vor allem vom ebenfalls in den Reisfeldern gelegenen Café Pomegranate, schauen uns noch einmal den herrlichen Lotusgarten mit Tempel bei Sonnenschein an und rollern wieder heim.
Wir lassen unseren Aufenthalt in Bali genauso entspannt ausklingen, wie wir ihn begonnen haben und freuen uns nun auf den Besuch bei meinem Onkel mit Familie in Shanghai.

Unser Lieblingsessen: Wir sind begeistert von der balinesischen Küche und können uns nicht auf ein Gericht festlegen. Sehr preisgünstig und abwechslungsreich ist das Padang Food. In den entsprechenden Warung-Lokalen stehen die Gerichte fertig zubereitet hinter Glas und man kann sich nach Lust und Laune den Teller beladen lassen. Die Grundlage ist immer Reis. Dann kann man zwischen verschiedenen Gemüse-, Fisch- und Fleischsorten wählen.
Die Frühstückscafés haben sich alle dem gesunden Essen und dem Superfood verschrieben. Auch hier bleiben keine Wünsche offen und man kann zwischen üppigem Frühstück mit Avocado, Ei, Speck etc. oder diversen Smoothies oder zum Beispiel Quinoa-Porridge wählen.
Unser Lieblingsdrink: Die exquisiten frisch gepressten und oder gemixten Säfte mit oder ohne Detox-Effekt.

Verwendeter Reiseführer: Roland, der hier schon einmal zwei Wochen verbracht hat.

Gelesene Literatur:
Oka Rusmini – Erdentanz.
„Oka Rusmini erzählt die Geschichte balinesischer Frauen über vier Generationen: das Porträt einer Gesellschaft, die vom Kastensystem geprägt ist, das Männer wie Frauen strengen hierarchischen Strukturen unterwirft. Ein Kontrast zum gängigen exotisch-paradiesischen Bali-Mythos in der westlichen Welt.“ (aus der Rezension von Anna Dangel, WDR 5, Köln)
Ayu Utami – Saman.
Die Wechsel zwischen Erzählperspektiven, Schauplätzen und Zeitebenen verwirren etwas, aber die Lektüre bietet einen interessanten Einblick in die indonesische Kultur.

Leider wird dieser Teil der Reise durch die schwere Krankheit und den plötzlichen Tod meiner geliebten Hündin Molly überschattet. Ich bin unendlich traurig und meiner Cousine Caro, ihrem Mann Ralf und ihren Jungs Jonas und Felix, die Molly während unserer Reise in Pflege hatten, sehr dankbar, dass sie sie bis zum Ende so liebevoll umsorgt haben. Ich bedaure sehr, dass ich meine liebe Molly nicht auf ihrer letzten Reise begleiten konnte.