„El que lee mucho y anda mucho, ve mucho y sabe mucho.“ (Wer viel liest und viel reist, sieht viel und weiß viel.)
Miguel de Cervantes

Málaga hat uns wieder. Da Málaga eine Zeit lang meine Heimat war und ich nun schon lange in München heimisch bin, bezeichne ich Málaga als Heimat meines Herzens. Zumindest hat diese Stadt einen Teil davon erobert, aber auch Roland findet durchaus Gefallen an dem wiederholten Besuch.
Diesmal kommen wir bei Nacho und seiner Frau unter, die uns ein Zimmer mit Bad in ihrer Wohnung vermieten. Die beiden sind sehr gastfreundlich und dabei so zurückhaltend, dass wir ihre Anwesenheit kaum bemerken. Zum Frühstück dürfen wir uns aus dem gut gefüllten Kühlschrank bedienen und es uns auf der Terrasse gemütlich machen. Zufälligerweise wohnen wir in dem Viertel, in dem ich vor langer Zeit Zuhause war, was mich ein Dejavu nach dem anderen erleben lässt. Überhaupt versetzt mich der Aufenthalt in Málaga in eine nostalgische Stimmung. So fühlen sich die zwei Tage hier gar nicht nach Urlaub, sondern  eher nach einem Besuch daheim an. Wir folgen einigen Restaurantempfehlungen von Nacho, schlendern durch die Altstadt, laufen an der Promenade entlang bis zum schönen an der Küste gelegenen Außenbezirk Pedregalejo, essen „Espetos“ (über dem Holzfeuer gegrillte Sardinen am Spieß) im benachbarten El Palo und verbringen etwas Zeit am Strand.
Und schon ist die Stippvisite wieder vorbei, denn diesmal soll Málaga nur ein kurzer Auftakt zu einer Andalusien-Rundreise werden.

An unserem dritten Urlaubstag holen wir unseren Mietwagen, der sich zu Rolands großer Freude als Fiat 500 entpuppt, am Flughafen von Málaga ab und los geht es in Richtung Ronda.
Zunächst statten wir allerdings Mijas einen Besuch ab. Es handelt sich um eines der malerischen weißen Dörfer, welches wir gemütlich durchstreifen. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die schön angelegten Gärten an der alten Stadtmauer entlang machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort für einen Mittagsimbiss und tappen in eine Touristenfalle: Salate mit Fertigsaucen, kleine Portionen, teuer und sehr lange Wartezeiten. Ausgerechnet hier, in Andalusien, dem El Dorado für gutes Essen! Diesen Eindruck müssen wir sofort ausgleichen mit einem erstklassigen Eis und „Café Solo“. Eigentlich sind Eis und Kaffee italienisch, aber darüber sehen wir hinweg. Unsere Stimmung ist jedenfalls wieder gut und wir sind bereit für den nächsten Zwischenstopp in Marbella. Da wir uns etwas mit den Distanzen und der Fahrtzeit verschätzt haben, bleibt es bei einem Boxenstopp zum Baden im Meer, was uns aber beiden Spaß macht und vor allem sehr erfrischend ist, denn es ist bereits hochsommerlich warm. Noch ahnen wir allerdings nichts von der Hitzewelle, die auf uns zurollt, steigen wieder in den Fiat und fahren endlich nach Ronda.
Hier erwartet uns ein sehr stilvoll eingerichtetes und gemütliches Zimmer in einer kleinen Pension mit Frühstück. Wir sind begeistert, lassen uns noch ein Tapas Lokal empfehlen, sind diesmal sehr angetan von den kulinarischen Köstlichkeiten, die uns aufgetischt werden und fallen endlich satt und zufrieden ins Bett.
Am nächsten Tag erkunden wir Ronda, ein Juwel Andalusiens, eingebettet in malerischer Landschaft. Absolutes Highlight ist hier die imposante Schlucht, die mitten durch die Stadt verläuft und die von allen Seiten ein attraktives Fotomotiv darstellt. Auch die Stierskulptur vor der Stierkampfarena ist ein Foto wert. Die Arena lassen wir allerdings links liegen und schlendern lieber durch die maurisch inspirierte Altstadt.
Und schon müssen wir uns wieder von Ronda verabschieden, denn am nächsten Tag geht es weiter in Richtung Cádiz nach Sanlúcar de Barrameda.

Sanlúcar de Barrameda ist an sich eher unspektakulär, hat aber eine ausgezeichnete Lage am Meer, nicht weit von den „must-see-Städten“ Cádiz und  Jerez. Wieder haben wir Glück mit der Unterkunft und fühlen uns in der Wohnung mit geschmackvoll gestalteter Dachterrasse sofort wohl. Der schönste Platz im Ort ist die Plaza del Cabildo, wo sich vor allem Abends sowohl Einheimische als auch Touristen tummeln. Hier verbringen wir einen Abend in einem Lokal, welches in den Google-Bewertungen auffällig oft als „spektakulär“ bezeichnet wurde. Unsere dadurch geschürten Erwartungen werden allerdings enttäuscht und wir stufen das Restaurant mit asiatisch angehauchter Fusionsküche eher als „geht so“ ein. Schon eher spektakulär, da außergewöhnlich köstlich finden wir ein Fischlokal in Cádiz, in dem uns der Kellner an der Fischtheke erklärt, was es gibt und uns damit vor die Qual der Wahl stellt, sodass wir schon fast bereuen, nicht Quartier in Cádiz bezogen zu haben, um häufiger hier einkehren zu können. Stattdessen statten wir dieser schönen Stadt, die auch als das Havanna Spaniens bezeichnet wird, einen Tagesbesuch ab. Das Havanna-Feeling entsteht hier vor allem durch die lange Uferpromenade, die an den Malecón erinnert. Als wir die Altstadt auf besagter Promenade umrunden, werden aber auch Erinnerungen an das schöne Gallipoli in Apulien wach. Die Altstadt selbst mit ihren engen Gassen ist ebenfalls sehenswert. Allerdings gibt es leider auch hier, wie mittlerweile fast überall ein Überangebot an immer den gleichen Ladenketten, allen voran fällt der Laden „Ale-Hop“ auf, in dem es so ziemlich alles in fragwürdiger Qualität gibt.
Ein weiteres spektakuläres kulinarisches Highlight erleben wir in Jerez in einer Tapasbar. Hier probieren wir den landestypischen „Rabo de Torro“ (Ochsenschwanz) und eine Artischocke in Sherry. Den berühmten Wein aus Jerez nehmen wir bei einer Verkostung in den „Bodegas Lustau“ genauer unter die Lupe und sind beeindruckt ob der unterschiedlichen Varianten und Geschmacksrichtungen. Besonders interessant finden wir, dass für die Wahl des Weines entscheidend ist, was man dazu isst. So wird beispielsweise ein Amontillado, der eher halbtrocken ist, zu Paella gereicht, während ein trockener Fino eher zu Thunfisch passt. Außerdem lernen wir, dass der ebenfalls trockene Manzanilla mit frittiertem Fisch, Sushi und Spaghetti Carbonara harmoniert und gar nicht in Jerez, sondern in Sanlúcar de Barrameda angebaut und produziert wird und wegen der Nähe zum Meer auch einen leicht salzigen, frischen Geschmack hat, der ihn vom Fino unterscheidet. Der dunklere, nicht mehr trockene Oloroso wird zu Fleisch, Käsekuchen und Dessert getrunken und den schweren und süßen Pedro Jiménez muss man unbedingt mit Vanilleeis neutralisieren.
Neben den kulinarischen Attraktionen ist in Jerez der Alcázar durchaus sehenswert und wir sind froh, dass wir gleich die „Camera obscura“ mitgebucht haben. Hier zeigt uns der Guide ganz Jerez von oben mittels eines beweglichen Spiegels und lässt uns so eine fotoreale Stadtführung erleben.
Wieder zurück in Sanlúcar de Barrameda an der Plaza del Cabildo gibt es noch ein Eis am schönen Brunnen, bevor wir am nächsten Morgen in Richtung  Sevilla aufbrechen.

In Sevilla angekommen, wird die Parkplatzsuche zur Herausforderung und wir stellen wieder mal fest, dass die frühen Stadtplaner einfach nicht bedacht haben, dass die Pferdekutschen durch viele, sehr viele und immer größere Autos ersetzt werden würden. Aber wir haben Glück und finden noch ein Plätzchen für unseren Fiat, den wir hier nun vier Tage stehen lassen werden in der Hoffnung, ihn an Ort und Stelle wieder vorzufinden. Unser Apartment kann nicht mit dem in Sanlúcar mithalten, befindet sich aber in einem schönen traditionellen Haus und in erstklassiger Lage. Wir brauchen nur aus der Tür zu treten und sind mitten im bunten Stadtleben Sevillas. Allerdings sind die Temperaturen mittlerweile so hoch, dass wir unsere Stadterkundungen auf ein Minimum beschränken müssen. Hier kommen wir auf den Geschmack der spanischen Version des Eiskaffees (ein „Café con Leche“ mit einem Glas Eiswürfel, in das man ersteren hineinschüttet und dann genüsslich trinkt) und der Fächer wird zum ständigen Begleiter. Wir suchen eher nach klimatisierten Indoor Veranstaltungen und verbringen einen Abend im Tablao unter den Setas de Sevilla, einer modernen Hybridkonstruktion aus Holz, Beton und Stahl, die wirklich an große Pilze erinnert. Hier präsentieren so manche Straßenkünstler ihr Können und vor allem abends, wenn die Hitze etwas nachlässt, erwacht hier das Leben. Die Flamencoshow im Tablao ist professionell und touristisch organisiert, aber doch beeindruckend. Auf den Geschmack gekommen, schauen wir uns am nächsten Tag das Flamenco-Museum an, das von der Tänzerin und Choreographin Cristina Hoyos gegründet wurde und einen umfassenden Einblick in die Tradition dieses ausdrucksstarken Tanz- und Musikstils bietet. Ein weiteres Highlight und vor allem ein sehr angenehmer Aufenthaltsort bei den hiesigen Temperaturen ist der Parque de Maria Luisa. Hier lässt es sich wunderbar auf einer Bank am Springbrunnen picknicken.
Am Tag der Abfahrt fragen wir uns kurz, ob wir schauen sollten, ob das Auto noch da ist, bevor wir den Schlüssel in der Wohnung lassen und uns mit dem ganzen Gepäck auf den Weg machen. Wir riskieren es und haben Glück. Der Fiat steht unversehrt an Ort und Stelle und weiter geht es zur vorletzten Etappe unserer Andalusienreise.

In Córdoba erwartet uns eine wunderschöne Wohnung. Sie wird offensichtlich noch von den Besitzern bewohnt – so wie es bei Airbnb-Wohnungen ursprünglich auch gedacht war – und ist sehr individuell und kreativ eingerichtet. Die Hitzewelle hält an, sodass wir die Terrasse leider kaum nutzen können. Umso dankbarer sind wir, dass es sich in der Wohnung gut aushalten lässt und die Klimaanlage gut funktioniert.
Die Hauptattraktion in Córdoba ist die Mezquita-Catedral, die wir natürlich besichtigen und über das architektonische Meisterwerk staunen. Außerdem schauen wir uns die zwölf Patios und Gärten des Palacio de Viana an, der seit fünf Jahrhunderten bewohnt wird und durch die großzügigen Anlagen beeindruckt.
Auch hier kommen wir in den Genuss kulinarischer Köstlichkeiten und merken, dass die andalusische Kost so langsam zu Buche, beziehungsweise zu „Bauche“ schlägt.
Am letzten Tag machen wir auf dem Weg zum Flughafen in Málaga noch einen letzten Zwischenstopp in Antequera. Hier haben wir nur Zeit für ein Mittagessen und wollen diesmal wirklich nur ein par Tapas teilen. Und wieder ist alles überaus köstlich und vor allem so üppig, dass wir hoffen, der Flieger kann noch abheben, wenn wir drinsitzen. Er kann. Unsere Rundreise ist zu Ende und wir fliegen zurück in die Heimat.

¡Hasta pronto, Andalucía!